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Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium
Neustadt a.d. Weinstraße

Wie sollten die Neustadter Schüler vom Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium Neustadt (KRG) wohl ihre Gäste aus Thüringen begrüßen? Mit Bananen vielleicht? Eine Idee, die schnell verworfen wurde. Gut so. Denn vielmehr war der ernsthafte Austausch mit den acht Gymnasiasten vom Jenaer Wirtschaftsgymnasium bei dem Seminar in der Pfalzakademie in Lambrecht zum Thema „Wer ist das Volk” gefragt.

„Die Sache mit den Bananen ließen wir dann aber bleiben”, erzählt Felix Stadler, einer von 22 Schülern des Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums, die mit ihrer Geschichtslehrerin Angelika Pichotta an dem dreitägigen Seminar „Wer ist das Volk” in der Pfalzakademie Lambrecht teilnahmen. Die 30 Jugendlichen im Alter zwischen 17 und 20 Jahren haben die Zeit von Mauerbau und Mauerfall nicht miterlebt. Sie kennen die beiden Teile Deutschlands als Einheit, haben sie nie anders gesehen und erhielten jetzt in Lambrecht von Zeitzeugen lebendige Eindrücke aus der Vergangenheit.

Im Gespräch mit den Schülern zeigt sich, dass die „DDR” für beide Seiten die exotischere Staatsform war. Die 17-jährige Rebecca Mülberger aus Bad Dürkheim weiß: „Meine Eltern hatten vor allem Angst vor den strengen Kontrollen bei der Fahrt in den Osten.” Ansonsten hätte sie selbst aber wenig von ihren Eltern über die damalige Zeit erzählt bekommen. „Sie sind damit aufgewachsen, für sie war die Trennung normal.”

Der 20-jährige Felix Reisinger lebt erst sei 1995 im Osten. „In meiner Familie wurden dann lebhaft die Veränderungen registriert, die sich in den östlichen Bundesländern in diesen Jahren ergaben, zum Beispiel durch den großen Bauboom.”

In Janne Minarskys Familie wurde schon etwas mehr über die politische Situation vor der Wende gesprochen. Aber die Eltern hätten betont, dass sie trotz der politischen Probleme glücklich in der DDR gewesen seien. Die 18-Jährige weiß auch: „Meine Eltern mussten genau das studieren, was gerade an Berufen in der DDR gefehlt hat.”

Im Heute gibt es für die Jugendlichen keine Unterschiede mehr. „Wir haben die gleichen Klamotten, in den Städten sind die gleichen Geschäfte, wir haben die gleichen Hobbys und Interessen”, sagen sie. Auch wenn sie sich im ersten Moment der Begegnung neugierig beäugt haben. „Aber das ist normal, das ist doch bei jeder Schulklasse so, mit der man zusammentrifft. Da spielt die Zugehörigkeit zu Ost oder West keine Rolle”, erklärt Rebecca.

Trotzdem haben die Schüler haben in diesen drei Tagen in Lambrecht sehr viel mehr erfahren, als im herkömmlichen Geschichtsunterricht. „Es sind die Details, die unter die Haut gehen”, meint Janne. So habe sie erfahren, dass es richtige „Geisterbahnhöfe” in Berlin gegeben habe. In denen die West-U-Bahnen durchrauschten und bewaffnete Ost-Soldaten patrollierten, so dass niemand flüchten kann. Und für Felix aus Lambrecht war neu, dass die Menschen in der DDR den „großen Bruder UdSSR” eher als Besatzungsmacht statt als befreundeten Staat empfunden hätten. Und Rebecca staunte darüber „dass auch der Urlaub der Ostler unter der totalen Kontrolle des Staates stand.”

Spannend dann der Untergang der DDR. „Es ist erstaunlich, dass es im September 1989 erst rund 3500 Leute gab, die sich in der Opposition gruppiert hatten, und zwei Monate später 120.000 demonstrierten”, meint Felix vom KRG.

Die alte Bundesrepublik aber war für die Schüler in Lambrecht gar nicht das große Thema. Für beide Gruppen, Ost wie West, war es die alte DDR mit ihren vielen aberwitzigen Reglements, die sie wiederholt zum Staunen brachte. Für die Schüler waren die Tage in Lambrecht voll gepackt mit Wissen. „Es war ein straffes Programm, etwas mehr Freizeit wäre gut gewesen. Wir waren abends immer total erschöpft und konnten gar nicht mehr viel miteinander reden”, sagen sie.

Quelle: Die Rheinpfalz, Mittelhardter Rundschau, 30.11.2011.