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Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium
Neustadt a.d. Weinstraße

Am Montag, den 20.04., haben die zehnten Klassen wie jedes Jahr eine Exkursion zum KZ Natzweiler-Struthof im Elsass unternommen. Zwischenstopp war dieses Jahr zum ersten Mal auch auf halber Strecke an einem Werk der Maginot-Linie (Four a Chaux).

Die Fahrt im Bus begann für uns Schüler bei strahlendem Sonnenschein und sich ankündigenden sommerlich warmen Temperaturen pünktlich zur ersten Stunde vor dem KRG. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt und einem ersten kurzen Briefing durch die begleitenden Lehrer machte der Bus den ersten Stopp in einem Wald nicht weit hinter der französischen Grenze. Dort wurden wir (natürlich erst nach der obligatorischen Toiletten-Pause) von unserer sympathischen Führerin in Empfang genommen, die uns direkt in die Tiefen der Anlage A4 der Maginot-Linie führte, nach einer in der Nähe befindlichen Kalkbrennerei auch „Kalkofen“ genannt. Vorbei an Maschinengewehrläufen, Stacheldraht und über eine kleine Zugbrücke ging es durch dicke Stahltüren und vorbei an noch mehr Maschinengewehrläufen und schon bald drang kein Strahl Tageslicht mehr in das von 1930 bis 1935 gebaute Artilleriewerk vor.

Die Führerin zeigte uns das Innere der Anlage: Die Küche, die Mannschaftsquartiere, die Offiziersunterkünfte, den Operationssaal und die Waschsäle, wo sie den Alltag im Inneren des „Kalkofen“ erläuterte und anschließend das Kommandozentrum, wo sie der Klasse genau die Funktionsweise und die Struktur der Verteidigungsanlagen der Maginot-Linie erklärte und an zahlreichen Karten aufzeigte.
Besonders einprägsam war der Moment, in dem sie auf den eigentlichen Zweck der Anlage einging, der Abwehr einer deutschen Invasion, und betonte, wie wichtig die vergangenen siebzig Jahre des Friedens in Europa waren und anmerkte, dass eine Besichtigung wie diese damals absolut nicht möglich gewesen wäre. Nach einem Moment andachtsvollen Schweigens führte sie uns weiter durch die schier endlosen unterirdischen Gänge der Anlage bis hin zu einem der Waffensysteme, einem in der Erde versenkbaren Geschützturm, dessen Mechanik noch so weit einsatzbereit war, dass wir Schüler ihn selbst nach so langer Zeit noch problemlos ausfahren und drehen konnten.

Die Führung endete und nach einem weiteren Stück durch kalte, dämmrige, unterirdische Gänge und nach einer kurzen Visite im „hauseigenen“ Museum konnten wir aus dem Dunkel der Anlage wieder ins sonnige Freie treten. Es bleibt zu bemerken, dass die ehrenamtliche Führerin in der Anlage uns ebenso freundlich wie kompetent betreut hat und uns stets auf Nachfragen gut und verständlich zu antworten wusste.

Wir setzten unsere Busfahrt fort. Das Wetter war unverändert gut, die Stimmung im Großen und Ganzen auch - obwohl sich die ganze Klasse unsicher war, was uns an unserer nächsten Station, am ehemaligen Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, erwarten würde. Wieder etwas mehr als eine Stunde Fahrt später hielt der Bus im übertragenen Sinne vor den Toren des zwischen 1941 und 1944 „aktiven“ Straf- und Arbeitslagers. Es ging vorbei an einigen neueren Gebäuden, in denen die zugehörigen Museen untergebracht sind.

Im KZ wurden wir nicht von Angestellten des Museums geführt, die Führung wurde von den Lehrern „interaktiv“ mit den Schülern gestaltet. Wir betraten das Gelände durch das Portal, vorbei an erheblich mehr Stacheldraht als an unserem letzten Stopp. Die Lehrer führten uns zunächst nach unten, zur untersten Ebene des terrassenartig angelegten Lagers. Unglücklicherweise werden gerade in diesem Frühjahr sowohl Krematorium als auch Inhaftierungsbaracke renoviert und es war uns deshalb nicht möglich, sie wie sonst üblich zu besichtigen. Nach einigen Erklärungen und dem Verlesen von Zeugenberichten Überlebender durch einige Schüler kehrten wir zu einer höheren Terrasse zurück, zum zentralen Platz der Anlage mit dem Galgen, wo wir ebenfalls einige Zeitzeugenberichte hörten.

Weiter ging es zu einer der beiden wiederaufgebauten Baracken, in der jetzt ein Museum zum Thema „Natzweiler-Struthof“ und Holocaust im Allgemeinen untergebracht war. Die grausame Präzision und Ordnung des Verfolgungs- und Vernichtungsapparates der Nazis wurde hier äußerst eindrücklich wiedergegeben und hinterließ sicher einige bleibende Eindrücke.

Die vorletzte Station im ehemaligen Konzentrationslager war die Villa des ehemaligen Lagerkommandanten. Etwas entfernt liegt das inzwischen etwas heruntergekommene Haus mit großzügigem Pool idyllisch zwischen Bäumen und ohne entsprechendes Hintergrundwissen würde man vermuten, es gehöre einer ganz gewöhnlichen, wohlhabenden Familie. Geradezu sympathisch wirkte das Haus bei diesem guten Wetter und der wunderbaren Aussicht. Nichts deutete darauf hin, dass es nicht das Haus einer gewöhnlichen Familie war, sondern das von Männern, die verantwortlich waren für eine ungeheure Anzahl grausam Geschundener und mehr als 20.000 Toten als Opfer des organisierten Massenmords.

Wir beendeten die Besichtigung der Museumsanlage mit dem neuen Museum etwas entfernt, das sich weniger mit Natzweiler-Struthof selbst und mehr generell mit dem Holocaust, der Judenverfolgung, den anderen Konzentrationslagern, dem Dritten Reich und dem 2. Weltkrieg beschäftigte. Einige Stunden später, gegen 18.30, setzte der Bus uns wieder am KRG ab und die Exkursion war offiziell beendet.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass das gute Wetter und die äußeren Umstände der Exkursion den eigentlichen Effekt der Sache stark eingeschränkt haben. Zu unwirklich war die Vorstellung von malochenden Häftlingen, Exekutionen am Galgen und Vergasungen bei freundlichem Sonnenschein und warmen Temperaturen, noch dazu bei einem derart wunderbaren Ausblick, wie man ihn bei gutem Wetter vom Gelände des KZs herunter ins angrenzende Tal hat. Dass noch dazu sowohl Krematorium als auch Inhaftierungsbaracke wegen Renovierungen geschlossen waren und auch sonst streng genommen nicht mehr viel vom ehemaligen Lager übrig ist, verminderte die Wirkung der eigentlichen Geschehnisse umso mehr. Die beiden Museen waren eindrücklicher und prägender als die Besichtigung des Lagergeländes selbst und dennoch unter diesen Umständen kaum groß anders als andere Museen dieser Art. Im Winter, vielleicht bei Eiseskälte und wolkenverhangenem, grauen Himmel wäre die Stimmung auf dem Lagergelände sicher greifbarer gewesen und das Leid der Insassen eher nachfühlbar als bei strahlend blauem Himmel, gutem Wetter und dem Betrachten der wichtigsten Baracken von außen. Ein Umstand, den auch die begleitenden Lehrer bemängelten, war doch der Sinn des Besuchs, die Thematik eindrücklicher zu vermitteln als durch bloße Fakten. Womöglich ist es pietätlos, aber der eindrucksvollste Moment der Exkursion war sicher nicht auf Natzweiler-Struthof zu finden, sondern viel eher in der Kommandozentrale der Anlage A4 der Maginot-Linie, als unsere französische Führerin in stark französisch akzentuiertem Deutsch die Wichtigkeit der deutsch-französischen Freundschaft und den Wert und das Glück einer friedlichen Zeit betonte. Trotzdem waren beide Programmpunkte auf ihre jeweilige Art äußerst interessant und die Exkursion im Ganzen lehrreich und ein wichtiger Bestandteil der geschichtlichen Aufarbeitung.