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Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium
Neustadt a.d. Weinstraße

Vorlesewettbewerb der 6. Klassen

Auch in diesem Jahr fand der jährliche Vorlesewettbewerb der 6. Klassen statt. Für mich war es ein sehr aufregendes Ereignis, da ich nicht wusste, was mich erwarten würde. In der Grundschule hatte ich zwar schon an Lesewettbewerben teilgenommen, aber in meiner „neuen“ Schule empfand ich es dann noch einmal als etwas ganz Spezielles.

Am 05.12.2012 war es dann soweit. Alle vier Lesesieger der 6. Klassen trafen sich in der 7. Stunde in der Bücherei. Hier erwartete uns schon die Jury, bestehend aus drei Oberstufenschülerinnen, drei Lehrern sowie der Leiterin der Bücherei, Frau Hoffmann. Um mir beizustehen und Mut zu machen, begleiteten mich meine Klassenlehrerin, Frau Dr. Wandslebe, meine Klassenkameradinnen Leah Rau, Alina Scheuermann, Christine Göck sowie mein Klassenkamerad Daniel Giel.

Zuerst stellten wir kurz unser ausgewähltes Buch vor und lasen hieraus eine Textpassage. Ich habe mich für das Buch „Klassenspiel“ von Celia Rees entschieden. Anschließend mussten wir einen unbekannten und ungeübten Text vorlesen. Beide Aufgaben gelangen meinen Mitstreiterinnen und mir einigermaßen problemlos. Während sich die Jury danach beriet, warteten wir auf dem Flur, spielten und redeten. Wir versuchten, uns irgendwie abzulenken und die Zeit zu überbrücken. Als die Entscheidung dann feststand, war ich ziemlich nervös.

Jetzt wurde es ernst: Herr Dreyer meinte, wir hätten alle unser bestes gegeben, aber schließlich müsse es ja eine Siegerin geben. Nun hielt er inne und sah eine nach der anderen an. Meine Aufregung steigerte sich von Minute zu Minute. „Wir waren uns einig, dass Noelle Heiser die Siegerin des diesjährigen Lesewettbewerbs ist,“ verkündete er schließlich. Ich war erst einmal sprachlos, bis ich mich dann richtig freuen konnte. Mir wurde das Buch „Die Stadt der wilden Götter“ von Isabel Allende überreicht. Alle gratulierten mir, die Jury, meine Klassenlehrerin und auch die Mitleserinnen, was ich sehr nett fand. Meine Klassenkameraden waren sehr stolz auf mich und erzählten jedem, dass ich den Lesewettbewerb gewonnen hatte, egal, ob derjenige es hören wollte oder nicht. Zu Hause erwarteten mich meine Eltern und meine kleine Schwester Claire schon ganz gespannt. Alle drei freuten sich riesig mit mir und nahmen mich ganz fest in den Arm.         

Am 20.02.2013 startete dann die nächste Runde des Vorlesewettbewerbs in der Stadtbücherei Neustadt, um den Stadtsieger zu ermitteln. Es traten die besten Leser bzw. Leserinnen aus drei Gymnasien und zwei Realschulen Plus an. Ich war diesmal etwas aufgeregter, da ich die anderen Mitstreiter nicht kannte, doch meine  Schwester, meine Mutter sowie meine Freundinnen und Frau Dr. Wandslebe beruhigten mich. Mit dem Buch „Tschik“ von Wolfgang Herrndorf, das ich ausgewählt hatte, ging dann tatsächlich alles glatt. Auch den ungeübten Text aus dem Buch „Die Todesbucht“ konnte ich ganz gut bewältigen. Nach einer längeren Beratungsphase der Jury, die mit einem Improvisationstheater der „Impro-Kekse“ überbrückt wurde, verkündete die Jury tatsächlich meinen Namen als Siegerin. Ich konnte das zunächst gar nicht glauben, bis ich die Glückwünsche und die Preise in Form von Büchern entgegennahm.

Die dritte Runde des Lesewettbewerbs fand dann am 15. April 2013 in der Stadtbibliothek in Ludwigshafen statt. Aus neun Leserinnen und einem Leser von Dahn bis Frankenthal mussten zwei gleichberechtigte Gewinner/-innen als Bezirkssieger/-innen ermittelt werden. Wie in der Vergangenheit wurde ich von meiner Schwester, meiner Mutter sowie meinen beiden Klassenkameradinnen Leah und Christine begleitet und moralisch unterstützt. Meine Nervosität war enorm, denn hier konnten alle richtig gut lesen. Als vorbereiteten Text las ich aus dem Buch „Erebos“ von Ursula Poznanski vor. Das klappte - wie bei allen anderen Vorlesern auch - prima. Anschließend mussten wir etwa zwei Minuten einen unbekannten Text aus dem Buch „Die Glücksbäckerei“ von Kathryn Littlewood vorlesen. In diesem Text befanden sich einige Stolperfallen, doch es war zu schaffen. Nachdem alle auch die ungeübte Textpassage gelesen hatten, zog sich die 5-köpfige Jury zur Beratung zurück. Diese mir endlos erscheinende Beratungszeit konnten wir zwar mit Essen und Trinken überbrücken, doch ich war schon ziemlich erleichtert, als die Jury wieder erschien. Die Vorleser wurden in der Reihenfolge aufgerufen, in der sie auch gelesen hatten, um ihre Teilnehmerurkunde in Empfang zu nehmen. Da ich als sechste Leserin an der Reihe war, saß ich schon bereit, um nach vorne zu gehen, aber mein Name wurde nicht aufgerufen! Wir dachten schon, man hätte mich vergessen! Eine Zuhörerin reklamierte dies dann tatsächlich auch, wurde jedoch von der Jury darüber informiert, dass die beiden Leserinnen, die jetzt nicht aufgerufen wurden, eine ganz spezielle Urkunde erhalten würden. Jetzt wurde mir plötzlich klar, dass ich eine der Siegerinnen sein musste! Als ich dann mit einem Mädchen aus Ludwigshafen meine Siegerurkunde sowie einen Büchergutschein erhielt, war ich völlig fassungslos und freute mich natürlich riesig darüber, dass ich nun auch die nächste Runde geschafft hatte. Damit hätte ich niemals gerechnet! Meine Freundinnen jubelten mit meiner Schwester und meiner Mutter um die Wette.

Am 07. Mai ging es dann zum Landesentscheid auf die Reichsburg nach Cochem. Meine Eltern sowie meine Schwester holten mich und meine beiden „Mitreisenden“ Leah und Christine wieder am KRG ab, um uns auf die gemeinsame Reise zu begeben. Die Fahrt war sehr mühsam und zeitaufwendig. Ein Wolkenbruch überraschte uns, und es galt,  viele, viele Kurven zu bewältigen, die meinen Freundinnen schwer zu schaffen machten. Erleichtert, aber fix und fertig, erreichten wir schließlich unser Ziel. Glücklicherweise blieb uns noch etwas Zeit, um uns auf der Burg regenerieren zu können. Nach und nach nahmen wir die schöne Reichsburg mit tollem Blick auf die Mosel wahr. Dann war es auch schon soweit, und alle versammelten sich in der kleinen Burgkapelle zum Vorlesen bzw. Zuhören. Mit der eingeübten Lesestelle aus dem Buch „Sieben Minuten nach Mitternacht“, das von einem 13-jährigen Jungen und dessen krebskranker Mutter handelt, setzte ich mich ganz gut gegen meine 10 Mitleser/-innen durch. Auch der ungeübte Text aus „Schnüffler Oswald“ war in Ordnung. Es gab aber einige gute Leserinnen, sodass schließlich alles offen war und niemand den Gewinner so richtig ausmachen konnte. Für wen würde sich die Jury wohl entscheiden? Während deren Beratungszeit versuchten wir, uns mit einer sehr interessanten und lustigen Burgführung abzulenken, was natürlich nur zum Teil gelang. Auch ich war die ganze Zeit über sehr, sehr nervös. Prompt ging es auch schon mit der Verkündung der Entscheidung weiter. Dieses Mal hat sich die Jury leider für eine andere Leserin entschieden und zwar für ein Mädchen, das zuvor eigentlich von niemandem als Siegerin gesehen wurde. Dementsprechend groß war auch die Überraschung bei uns Lesern als auch bei den Zuhörern. Dann ging alles ganz schnell. Alle Teilnehmer erhielten ein Buchgeschenk und jeder machte sich wieder auf den Heimweg. Klar war ich enttäuscht und traurig, zumal ich sogar von einigen Mitleserinnen angesprochen wurde, die die Entscheidung der Jury nicht nachvollziehen konnten. Sie versuchten mich mit den Worten zu trösten: “Mach dir nichts daraus. So wie du gelesen hast, war es perfekt.“  Auch halfen mir die Worte meiner Klassenlehrerin, Frau Wandslebe, die im Vorfeld immer wieder betont hatte, dass es hier für einen Sieg auch einer ganzen Portion Glück bedarf.

Mittlerweile ist meine  Enttäuschung  vergessen, und ich kann mich einfach darüber freuen, dass ich es immerhin bis zum Landesentscheid geschafft habe. Ich durfte mit meinen Freundinnen viele schöne Dinge erleben und sehen und so manch aufregende wie auch lustige Stunde verbringen. Abschließend kann ich sagen, dass die Vorlesewettbewerbe wunderschöne Erlebnisse waren, die ich sicherlich niemals vergessen werde. Über neuen Lesestoff muss ich mir in der nächsten Zeit übrigens keine Gedanken mehr machen!

Den nachfolgenden Jahrgängen möchte ich Mut machen: Wenn ihr Spaß am Lesen habt und euren Geschwistern oder Eltern ab und zu mal eine Geschichte vorlest, kann beim Lesewettbewerb nichts mehr schiefgehen. Dabei sein ist alles, denn Lesen macht so viel Freude!