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Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium
Neustadt a.d. Weinstraße

Nein, Weimar liegt nicht in Österreich, sondern im Herzen Deutschlands, in Thüringen, und genau dorthin verschlug es für drei Tage vom 8. Februar bis zum 10. Februar mehrere Deutsch-LKs aus der 12. und 13. Klasse. Es ging um 8 Uhr morgens mit einem Reisebus samt freundlichem Busfahrer los in Richtung Kultur pur. Die etwas längere Busfahrt wurde von einem kleinen Zwischenstopp an einem Rastplatz - sprich McDonalds - begleitet, nach welchem wir gestärkt den Rest der Fahrt antraten. Nach etwa 5 Stunden kamen wir endlich am "Comfort Hotel" in Weimar an, wo wir die Zimmerschlüssel ausgehändigt bekamen und die Zimmer begutachteten. Für ein 3-Sterne-Hotel waren diese auch ausreichend ausgestattet, nebst Fernseher, Spiegel und Trinkgläser. Einzig das Bad, welches im Krankenhaus-Look daherkam, konnte nicht ganz überzeugen, sowie der Fakt, dass der W-Lan Zugriff erst ab 18 zugänglich war.

Es folgte eine längere Stadtführung durch die historische Altstadt Weimars, welche auf dem Marktplatz begann. Eine freundliche Frau machte uns mit Weimars Sehenswürdigkeiten vertraut, wie etwa dem Goethe-Schiller-Denkmal oder einem Gingkobaum, über den Goethe sogar ein Gedicht verfasst hatte. Zwischendurch wärmten wir uns in einer Kunstakademie mitsamt Kaffeeautomaten auf, da wir die eisige Kälte von -5 Grad Celsius aus der sonnigen Pfalz nicht gewohnt waren. Zum Glück neigte sich die Führung nach Besichtigung des Friedhofes, auf dem Goethe mitsamt Familie sein Dasein fristet, ihrem Ende zu und im Anschluss hatten wir noch Zeit zur freien Verfügung. Buchläden, Mineralgeschäfte und Restaurants - die zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten Weimars konnten sich durchaus behaupten! Am Ende des Tages kehrten wir dann gesättigt und zufrieden mit Hilfe des Busses in die Wärme des Hotels zurück.

Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen konnte mit einer kleinen Vielfalt beeindrucken und so ging es gestärkt mit dem Bus in die Stadt um uns zwei der markantesten Sehenswürdigkeiten zu widmen - den Wohnhäusern Goethes und Schillers. Um 11:30 fand sich unsere Gruppe am Schillerhaus ein. Die Führung ging durch zahlreiche Zimmer, teils dekorativ hochwertig, teils nüchtern gehalten, die uns viel über den Alltag der Schillerfamilie verrieten. Zum Mittagessen hatten wir noch die Möglichkeit ein bisschen des Weimarer-Flairs in uns aufzusaugen, bevor wir uns zum Goethe-Haus begaben. Dort wurde uns dann zuerst im Museums-Teil vom turbulenten Leben Goethes berichtet, geprägt von Reisen, Liebschaften und seinen bekannten Werken wie etwa "Faust". Das daranliegende Haus beeindruckte, von der am Eingang stehende Begrüßung "Salve" bis hin zu Räumen voller antiker Statuen, die Goethe sammelte. Man fühlte sich in eine andere Zeit zurückversetzt, in der man Tee trank, Goethes Geschichten lauschte und sich seiner Werke erfreute. Nach dieser Perle Weimars konnten wir uns frei bewegen und den restlichen Tag genießen. Am Abend fanden wir uns alle im Galli-Theater ein, um ein außergewöhnliches Stück zu sehen. Es spielte geschickt mit Geschlechterrollen und konnte sowohl einige Lacher als auch das ein oder andere Stirnrunzeln produzieren, was auch die gemischte Kritik erklärte. Erschöpft von diesem langen Tag fielen wir dann nach einer kurzen Busfahrt hundemüde ins Bett.

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Der nächste Tag war von einer ganz anderen Stimmung geprägt. Dies lag zum einen an unserer kollektiven Erschöpfung, zum anderen auch an dem Programm, das für den Tag vorgesehen war. Mit dem Bus machten wir uns von Weimar aus auf den Weg ins Konzentrationslager Buchenwald. Je tiefer wir in den Wald hineinkamen, desto vereister wurden sowohl die Baumwipfel als auch unsere Gemüter. Angekommen, wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt, in welchen uns das Lager gezeigt wurde. Beginnend auf der "Karachostraße", deren Name wohl keiner weiteren Erläuterung bedarf, begann die lebendige Führung durch die Todesstätte, die einen Teil eingefrorener Geschichte wieder auftaute, der sonst in seiner Schrecklichkeit nur aus Distanz betrachtet wird. Im Zentrum der Führung befand sich die Erläuterung eines Modells, an welchem uns die einzelnen erschreckenden Vorgänge nachvollziehbar gemacht wurden. An diesem Nachmittag wurden wir mit Fakten konfrontiert, welche uns mit Sicherheit noch lange im Gedächtnis bleiben werden. In dem darauffolgenden Schweigen verstummten auch eher respektlose Kommentare, die im Vorfeld geäußert wurden. Gegen Ende des Tages hatten wir alle gelernt, dass Solidarität und Gemeinschaft die Grundlagen dazu bilden, so ein abscheuliches Vergehen in Zukunft zu verhindern und wir als aktiv handelnde Menschen diese Verpflichtung tragen.

Insgesamt lässt sich unser dreitätiger Aufenthalt in Weimar durchaus als positiv einstufen. Auf der einen Seite hatten wir daran Gefallen, deutsches Kulturgut hautnah erleben zu können. Die Distanz, welche sich sonst durch das „einfache“ Lesen und Analysieren von Lektüren im Deutschunterricht einstellt, konnte durch interessante Führungen und gute Stimmung innerhalb des Kurses überwunden werden. Darüber hinaus wurden wir aufgrund der Besichtigung des KZs Buchenwald einmal mehr daran erinnert, was es heißt, Mensch zu sein und welche Aufgabe wir dabei tragen. Unsere Exkursion war demnach in vielerlei Hinsicht ein Erfolg.