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Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium
Neustadt a.d. Weinstraße

Als Vertreterin der Religionslehrer/innen des Bistums hatte ich die Chance, die Delegation von missio München und dem Bistum Speyer vom 16. bis 28. August auf die Philippinen zu begleiten. Anlass für die Delegationsreise war, dass das Bistum Speyer in diesem Jahr Ausrichter des Weltmissionssonntages am 23. Oktober ist. Die Philippinen sind das diesjährige Partnerland, auf dem zielgerichtet missio-Projekte unterstützt werden sollen.

Die Reise bleibt mir selbst mit wunderschönen aber auch sehr nachdenklich stimmenden Erlebnissen im Bewusstsein, sie war sehr facettenreich:

  • wundervolle exotische Natur
  • der Müllberg als erschreckender Lebens- und Arbeitsraum tausender Menschen
  • fröhlich strahlende Menschen und ihre überwältigende Gastfreundschaft
  • auf Mindanao das Bewusstsein der Gefahr der politischen und religiösen Spannungen, des zerbrechlichen Friedens
  • die überfüllte Megacity Manila
  • abgelegene indigene Dörfer in den Bergen von Luzon, deren Jugendliche zwischen Tradition und Moderne hin-und hergerissen werden
  • die Glaubensfreude und das auf Glauben basierende Engagement
  • die die Lebensgefahr, die viele auf sich nehmen, wenn sie kritisch ihre Stimme erheben
  • Eltern, die in weit entfernten Ländern arbeiten, um ihrer Familie ein besseres Leben zu ermöglichen
  • die Versuche, kleine Projekte wie die Kaffeerösterei zu initiieren, um den Bauern vor Ort einen fairen Preis zu ermöglichen
  • gerodete Landstriche, die Inbesitznahme von Land durch Großgrundbesitzer für Plantagen und Bergbau
  • das (für uns unverständliche und deshalb am häufigsten hinterfragte!) Bedürfnis der Menschen, einen starken Mann aus der unteren Schicht wie Duterte nach Jahren der Korruption, Verschuldung und anderen Missständen zum Präsidenten zu wählen

 

Die Liste an Eindrücken könnte ich noch weiter führen und immer wieder wird mir trotz der Kontraste und Anstrengungen bewusst, welch große Erfahrung es für mich war, dies miterlebt zu haben.

verweis Bildergalerie

Vor dem Sommerferien am 11. Juli 2016 haben sich einige Klassen und Kurse schon mit der Lebenswelt der Menschen auf den Philippinen auseinandergesetzt und an einem fächerübergreifenden Projekttag anhand von interaktiven Präsentationen ihren Mitschülern vorgestellt. Ein Bericht hierzu war in der Rheinpfalz und auch in der Kirchenzeitung „Der Pilger“ zu lesen. Auch Schüler der 9. Religionsklasse von Frau May waren als „Reporter“ aktiv.

Die Erfahrungen, die ich jetzt von der Delegationsreise mitgeben kann, sollen dieses Bild vertiefen und in wichtigen Punkten ergänzen. Meine Schüler hatten bisher Gelegenheit, anhand von konkreten Gegenständen, die ich von den Philippinen mitgebracht habe, Fragen zu stellen. All diese Gegenstände erzählen ihre eigene Geschichte.
Auf Mindanao konnten wir erleben, wie kostbar und zugleich zerbrechlich Frieden ist. Sicherheit, die wir in Deutschland meist als selbstverständlich wahrnehmen. Die Willkommens-Schals, die muslimische Frauen dort in Handarbeit gefertigt haben und die uns christliche Projektpartner geschenkt haben, sind ein Zeichen für die Bemühungen um Frieden und politische wie religiöse Verständigung. Die Nachricht von der Bombenexplosion in Davao zeigt, wie wichtig die Friedens- und Verständigungsprojekte der missio-Partner vor Ort sind. Es macht uns aber auch bewusst, wie notwendig es ist, dass wir uns als Christen immer wieder neu für Frieden und Verständigung einsetzen, auch vor Ort in unserer Heimat, in unserem täglichen Lebensumfeld.

So zeigt beispielsweise die Tasche, die aus recyceltem Plastikmüll in Payatas, auf einem der größten Müllberge im Großraum Manilas, hergestellt wurde, welchen Überlebenswillen, welche Kreativität die Menschen an den Tag legen, um ihr Überleben zu sichern. Die Menschen haben zuerst das Plastik auf dem Müllberg gesammelt, es gewaschen und wiederverarbeitet. Das haben wir auch mit Matratzen und Kissen gesehen. Der Vinzentinerpater und Theologieprofessor Danny Pilario unterstützt die Menschen dort vor Ort, feiert mit ihnen Gottesdienst und hat ein offenes Ohr für ihre Anliegen. In Zusammenkünften mit dem Bürgermeister und anderen Behörden setzt er sich für die Anliegen der Bewohner, die umgesiedelt werden sollen, ein und versucht ihnen im Sinne der Anwaltschaft Gehör zu verschaffen. So bekommt das Anliegen, das in der Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus ausgesprochen wird, ein konkretes Gesicht für die Schüler: Der Kampf gegen weltweite Armut und Umweltzerstörung gehören untrennbar zusammen! Danny Pilario geht mit seinen Theologiestudenten immer nach Payatas, da er der Überzeugung ist, dass Theologie immer auch konkret werden muss. Die einfache Kapelle stand vor zwei Wochen gerade wieder 30 Familien zur Verfügung, deren Behausungen wieder geflutet waren.

Am 6. Oktober, also am Donnerstag vor den Herbstferien, wird Danny Pilario Gast an unserer Schule sein. Es besteht für interessierte Klassen und Kurse die Gelegenheit, von der 3. bis zur 6. Stunde mit ihm ins Gespräch zu kommen. Das Abendforum, zu dem auch interessierte Eltern und Kollegen eingeladen sind, beginnt um 19 Uhr.
Die missio-for-life-Ausstellung wird Ende Oktober an unserer Schule Station machen. Sie nimmt die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen unter anderem von den Philippinen in den Blick und ermöglicht einen interaktiven Zugang. Kosten entstehen für die Schüler keine, diese übernimmt dankenswerter Weise das Bistum Speyer.
Der Besuch der WMS-Gäste macht es möglich, ganz konkret den persönlichen, auf Glauben basierenden Einsatz von Menschen zu vermitteln und sie als christlich engagierte Vorbilder zu zeigen. So bleibt prophetisches Handeln nicht etwas Altes, Verstaubtes oder sogar Legendenhaftes, sondern zeigt, dass unser Einsatz für die Menschen ganz konkret und unmittelbar gefragt ist.

Für die Schüler wird dadurch auch greifbar, was mit Weltkirche gemeint ist: Eine weltweite Gemeinschaft auf Basis einer verbindenden Überzeugung. Auch der Begriff „Mission“ hat bei uns häufig eine unberechtigt schlechte Konnotation. Der Weltmissionssonntag fördert und feiert allerdings im Gegensatz dazu eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

Wer interessiert an weiteren Eindrücken von der Reise ist, kann sich an der Infowand (im Pausengang vor dem Lehrerzimmer), anhand der Reiseblogs des Bistums oder des in der Rheinpfalz erschienenen Tagebuchs informieren.

Bedanken möchte ich nochmals besonders bei all denjenigen, die sich beim Philippinenaktionstag engagiert und zu seinem Gelingen beigetragen haben. Wir konnten durch den Verkauf der asiatischen Köstlichkeiten und des Kuchens 476,85 Euro einnehmen. Dieses Geld wird der Vinzentinerpater Danny Pilario als Spende für seine Projekte in Payatas überreicht werden.

Die Termine auf einen Blick:
 
6. Oktober, 3.-6. Stunde: Gastbesuch Pater Daniel Pilario; Begegnung/Austausch       
6. Oktober, 19:00: Abend-Forum; Reisebericht Philippinen und Impulse vom Aktionstag       
Letzte Oktoberwoche: Ausstellung missio for life (ab Klasse 8)