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Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium
Neustadt a.d. Weinstraße

Herr Dr. Matthias Frey, Direktor des Amtsgerichts Neustadt, veranstaltete für eine durch alle Klassenstufen gemischte Gruppe der Oberstufe ein Rechtskundeseminar. Nach einer kurzen Vorstellung seiner Person verschaffte er uns einen kurzen Überblick über den Aufbau des Rechtswesens und die Berufsausbildung eines Juristen. Besonders überraschend war dabei festzustellen, dass alle Juristen die gleiche Ausbildung haben, unabhängig von ihrem späteren Betätigungsfeld. Das Jura-Grundstudium umfasst alle Rechtsgebiete und schließt mit dem ersten Staatsexamen ab; anschließend folgt ein Referendariat, bei dem Tätigkeiten in verschiedenen Bereichen des Rechtswesens, wie z.B. Anwaltskanzlei, Staatsanwaltschaft, Gericht, absolviert werden. Danach folgt das zweite Staatsexamen, das einen schließlich zum Beruf des Juristen befähigt. Herr Dr. Frey, der zuvor viele Jahre als Richter tätig war, stellte zudem kurz die Aufgaben des hiesigen Amtsgerichts vor: Neben den Verhandlungen, die im dortigen Gerichtssaal stattfinden, dient es auch als Grundbuchamt. Dabei zählt das Gericht mit seinen 65 Mitarbeitern zu einem der größeren seiner Art in der Region.

Um uns die Aufgaben eines Richters näher zu veranschaulichen, stellte Herr Dr. Frey einen der klassischen Beispielfälle vor, anhand dessen wir die Vorgehensweise eines Juristen eigenständig ausprobieren konnten. In einem Fall bestellte ein 17-jähriges Mädchen ohne Wissen der Eltern ein Kleidungsstück im Internet, wobei sich der Händler mit der Klausel "keine Gewährleistung" für das bestellte Produkt und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen absicherte. Nach der Lieferung wurde eine fehlerhafte Ware festgestellt, woraufhin das Produkt umgetauscht werden sollte, was der Händler jedoch mit Verweis auf die Klausel verweigerte. Ziel war es auf Grundlage des juristischen Denkens und deren Vorgehensweise den Fall zu analysieren und zu bewerten. Dabei sollten wir auch feststellen, ob das Verhalten des Händlers als rechtswidrig einzustufen ist. Zur Hilfe lagen uns einzelne ausgewählte Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) vor. Diese umfassten dabei ein Bandbreite von einfach verstehbaren bis hin zu mehrseitigen, hochkomplexen Paragraphen, die aufgrund der Fachsprache für einen Laien nicht immer selbsterklärend und verständlich waren. Auch das ein oder andere selbstverständliche Wort, kann in der Jurisprudenz ganz neue Bedeutungen annehmen, sodass der Blick auf den Fall immer wieder verändert wurde. Glaubte man die Bestimmungen oder das Gelten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen in Grundzügen aus dem Alltag zu kennen, so wurden wir durch diverse Ausnahmeregelungen immer wieder aufs Neue überrascht. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung, in der das Internet auch zunehmend als grundlegende Handelsplattform dient und das Akzeptieren der Allgemeinen Geschäftsbedingungen meist ohne Lesen geschieht, sind die Käufer häufig unwissend über ihre Rechte. So wurden auch Rechte wie das Widerrufsrecht oder das Recht auf Gewährleistung diskutiert.

Nach der detaillierten Fallbesprechung durften wir noch offen gebliebene Fragen stellen. Diese bezogen sich beispielsweise auf den Unterschied zwischen Gewährleistung und Garantie. Auch wurden weitere Ausbildungsmöglichkeiten, ob zum Beispiel eine Ausbildung zum Rechtspfleger vor einem Jurastudium von Vorteil sei, diskutiert.

Insgesamt war es für uns alle ein ausgesprochen informativer Nachmittag. Wir danken Herr Dr. Frey ganz herzlich für das interessante und kurzweilige Seminar und hoffen, dass ähnliche Veranstaltungen auch in Zukunft folgen werden!